STREIT_KULTUR

Was würdet ihr sagen ist Streitkultur?

Für mich ist Streitkultur einfach Streit. Also es ist auch wichtig, sich zu streiten, weil man damit sehr viel aussagen kann.

Ich glaube Streitkultur steht auch dafür, dass es so viele Arten gibt, sich zu streiten.

Ich würde auch sagen, dass es viele Arten gibt, das auszudrücken, zu diskutieren und seine Meinung zu sagen.

Also ich finde es gibt verschiedene Arten von Streitkultur. Wenn man sich mit der Familie streitetoder sich mit seinen Freunden streitet. Ich finde gut, dass es Streitkultur gibt, denn davon kann mansehr viel lernen. Es macht auch Spaß.“

Auszug aus: „Lasst alle leben, wie sie sein wollen!“ Speakers Corner am Robert Blum Gymnasium / Projektdokumentation
"Lasst alle leben, wie sie sein wollen!“ Speakers Corner am Robert Blum Gymnasium. Foto: FELD Theater für junges Publikum

Kultur des Streitens  

Wir streiten zu wenig. Streit ist ein Prozess der Grenzsetzung. Streitende verhandeln mögliche Zukünfte und denken über die eigene Wahrnehmung, die eigenen Positionen nach. Momente des Streits sind Momente des Umbruchs. Mit dem Projekt STREIT_KULTUR fragen wir im FELD Theater für junges Publikum gemeinsam mit den Kulturagenten des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin nach einer (sprachlichen) Kultur des Streitens, mit Respekt für das Gegenüber, dem Mut sich zu zeigen und dem Wunsch durch Auseinandersetzung, Bewegung zu initiieren und Zukunft zu gestalten. 

Streit_Kultur Foto: FELD Theater für junges Publikum

Zu Gast bei STREIT_KULTUR im FELD war Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa Klaus Lederer.

STREIT_KULTUR_PROJEKTE 

Rassistische und homophobe Vorfälle in der Schule und Unzufriedenheit mit den begrenzten Mitbestimmungsrechten sind der Ausgangspunkt für sechs sehr unterschiedliche Kunst-Projekte vom Herbst 2019 bis Frühling 2020 an sechs  unterschiedlichen Schulen in sechs verschiedenen Bezirken Berlins. Insgesamt 160 Schüler*innen im Alter von 6 bis 18 Jahren arbeiten an Themen wie Mitspracherecht, Queerness, Mobbing, Wut, Ausgegrenztwerden und Dazugehörenwollen, Führen und Folgen. Sie spielen Theater, sie schreiben Texte, sie tanzen und singen, malen und stellen Kostüme her. Mit künstlerischen Mitteln setzen sie sich mit Themen auseinander, die sie angehen und die sie in ihrem Alltag erleben. Am 03. März 2020 kommen alle Schüler*innen im FELD-Theater für einen Tag zusammen und tauschen sich aus. Die Einen fragen in der interaktiven Performance: LBGTQRSTUVW – welcher Buchstabe muss outen?. Die Anderen laden zu einer öffentlichen Speakers Corner ein. Eine Gruppe fragt: Wo kommen die Worte her, wenn ich wütend bin? Was passiert da in meinem Körper? Zwischendurch wird in verschiedenen Gesprächsformaten diskutiert. Die Toiletten werden zu Aktionsorten umfunktioniert. Ältere Mittel- und Oberstufenschüler*innen schauen Tanzperformances der Grundschulkinder zu, es herrscht munteres Treiben und kreative Atmosphäre. Am Tresen des FELD-CAFÉS gibt es Saft und Kekse, der Kultursenator Dr. Klaus Lederer ist zu Besuch.

Die Projekte:

STREIT_FELDER 

In den zwei diskursiv und praktisch-forschenden Formaten STREIT_FELDER und STREIT_FELDER #2 setzen sich im Dezember 2019 und im März 2020 die Künstler*innen Roni Katz, Jo Parkes, Dr. Eva Plischke (turbo pascal) und das PENG! Kollektiv gemeinsam mit Gabi dan Droste über die Schnittstellen von Kultureller und Politischer Bildung und die Wirksamkeit von partizipativen Projekten für die Gesellschaft auseinander: Welche Bedeutung haben ko-kreative künstlerische Prozesse für eine Gesellschaft? Können im Prozess entstehende Konflikte sowohl für die kreative Arbeit, aber auch für die Verhandlung von Gesellschaft nutzbar gemacht werden? Welche grundlegenden Prinzipien und Werte liegen einer solchen Arbeit zugrunde und welchen Einfluss können diese auf unser aller Zusammenleben haben? Kann man Kinderrechte ‚echt‘ machen? Wie können wir kreative Methoden für mutigen Protest erkunden und Zivilgesellschaft empowern? Geht Campaigning an der Schule und warum sollte man dies tun?

Politisch denkend, forschend handeln. Gemeinsam.

Mit STREIT_KULTUR verfolgen wir in FELD die Erforschung möglicher Verknüpfungen von kultureller und politischer Bildung. Gemeinsam mit den Kulturagent*innen fragen wir: Wie können wir von- und miteinander lernen? STREIT_KULTUR ist ein Demokratie-Projekt mit den Mitteln der Kunst. Und es ist ein Kunst-Projekt mit politischen, gesellschaftlichen Themen. STREIT_KULTUR ist auch und vor allem ein Partizipationsprojekt für junge Menschen.

Streit_Kultur Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Der offene Streit, selbstverständlich im Respekt für den jeweils anderen, das ist etwas, was wir uns gegenseitig zumuten müssen. Das ist das Herzstück der Demokratie. (…) Zur Demokratie gehört die Beteiligung am Streit und nicht seine Verhinderung.“

Bundespräsident Steinmeier, 25. Oktober 2019

Die oben verlinken Texte dokumentieren Stationen und Momente des Projektes. Es kommen verschiedene Perspektiven zur Sprache: Emilia Schlosser hat das Projekt als Projektmanagerin begleitet und ganz nah am Geschehen viele Eindrücke sammeln können, Schüler*innen kommen zu Wort wie auch die Kulturagentinnen Michaela Schlagenwerth, Annika Niemann, Katharina Stalhoven und Karin Schreibeis, die das Projekt initiiert haben. An dieser Stelle sei allen Beteiligten Dank ausgesprochen für die regen Auseinandersetzungen, den Mut ein solch komplexes Projekt mit dem noch jungen FELD zu durchzuführen.

Gabi dan Droste, April 2020

Dank an: Babak Dehkordy, Referent für kulturelle Teilhabe, Senatsverwaltung für Kultur und Europa für die Organisation des Besuches, Antje Materna für die fotografische Begleitung, Dagmar Borowsky Jochen Dannert und Cornelia Stauß von der Bürgerinitiative Kiezkultur – Rettet das Puppentheater am Winterfeldtplatz für die Unterstützung am Buffet,  Regina Kasper und Pfarrer Dr. Josef Wieneke für die Bereitstellung der Räumlichkeiten der St. Matthias Kirche am Winterfeldtplatz, Ida Stahlhoven und Jolene Keil für die organisatorische Unterstützung, den an den Projekten beteiligten Künstler*innen: An Boekman, Birgit Neppl, Daybee Dee, Felix Römer, Franz-Josef Becker, Heidi Zengerle, Joanne Parkes, Nina Behrendt, Roni Katz, Viviana Defazio und last but not least den an den Projekten beteiligten Pädagog*innen Arduba Asllani, David Neuling, Dr. Dorothea Ruthemeier, Feli Thomaszewsky, Inke Kühl, Liane Matern, Marta da Diez, Nora Kowitz, Nora Taumeyer, Paul Mang.
Fotos: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

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