LBGTQRSTUVW….. Welcher Buchstabe muss sich outen?

Ein Projekt von der Fritz-Karsen-Schule zum Thema „Anders sein“

Text von von Emilia Schlosser

„Anders sein“ ist das Thema des Kunst Kurses der 11. Klasse der Fritz-Karsen-Schule. Und das Projekt an sich ist schon etwas anders als die anderen Projekte der Streit_Kultur. An vier Tagen proben und entwickeln sie gemeinsam im FELD-Theater für junges Publikum verschieden künstlerische Arbeiten, die in den Räume des Hauses als Stationentheater aufgeführt werden sollen. Es gibt eine unsichtbare Theaterszene im Café des Hauses, einen ballroom im Stil der 80er Jahre in New York, ein interaktives Spiel über Privilegien, eine Performance über Ausgrenzung und einen performativen Schminkraum in der Garderobe des Theaters. „Unser ballroom war ein Raum für jeden, der sich ein bisschen anders fühlt und wo man sich präsentieren kann und man selbst sein, ohne sich dafür schämen zu müssen“, sagen die Schüler*innen. Die Gruppen von 3-6 Personen haben die Projekte entwickelt mit unterschiedlichen Zugängen und Ideen.

anders sein_Fritz-Karsen-Schule Berlin, Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Wir wollten zeigen, das anders sein auch schön ist.“

Schüler*innen der Fritz-Karsen-Schule

Anders sein kann viel bedeuten

Ist man anders oder wird man als anders markiert, zum Beispiel weil man andere Kleidung trägt? Ist es möglich, Menschen überhaupt nicht anhand ihrer Kleidung zu bewerten, wenn man sie nicht kennt? Ist man anders oder wird man nur anders, weil einen andere ausgrenzen? Können wir das verhindern, indem wir uns auf die Seite von den Menschen stellen, die Unterstützung brauchen? Ist es denn schlimm, anders zu sein? Oder kann anders sein auch schön sein?

anders sein_Fritz-Karsen-Schule Berlin, Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Wir sind nicht alle gleich reich oder gleich stark aber wir bluten alle gleich. Äußerlich sind wir alle unterschiedlich aber das ist auch gut so, denn wenn wir alle gleich wären, wären wir nicht einzigartig. Und so sind wir alle auf unsere Weise einzigartig und wunderschön. Wir haben alle ein Herz das schlägt.“

Schüler*innen der Fritz-Karsen-Schule

Sind wir vielleicht alle ein bisschen anders und gerade deshalb schön?

Die Projekte beschäftigen sich viel mit diesen Fragen. Während eine Gruppe mit einem kleinen Theaterstück darauf hinweisen will, dass man vom Aussehen eines Menschen nicht wirklich auf dessen Leben und Charakter schließen kann und man daher auch nicht urteilen sollte, versuchen andere Projekte genau diesen Mechanismus zur Ermächtigung zu nutzen. Indem sie dazu aufrufen sich zu schminken oder zu verkleiden, aufzufallen und neues auszuprobieren, riskieren sie, ausgelacht oder nicht ernst genommen zu werden. ‚Wir sahen auch außergewöhnlich aus‘ reflektiert ein Schüler über die vergangene Probe. In einer gespielten Pressekonferenz befragen wir die Schüler*innen über ihre künstlerischen Arbeiten und was sie damit erreichen wollen:

anders sein_Fritz-Karsen-Schule Berlin, Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Wir wollten erreichen, das die Menschen sehen wie es anderen Menschen geht und das man sich keine Vorurteile bilden sollte, ohne den Menschen zu kennen.“

Schüler*innen der Fritz-Karsen-Schule

Anders sein bedeutet im wesentlichen vielleicht ja erstmal, unterschiedlich sein. Es sind fünf sehr unterschiedliche Arbeiten, durch die das Publikum geführt wird und ich bin mir sicher, dass alle sich irgendwo in den Arbeiten auch selbst wiederfinden werden. Denn so unterschiedlich sind wir dann vielleicht doch nicht.

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Projekttitel: „LBGTQRSTUVW….. Welcher Buchstabe muss sich outen?“
Schule: Fritz-Karsen-Schule, Berlin-Neukölln
Klasse / Jg.: 11. Jg, Kunstkurs
Künstler*innen: Roni Katz, Birgit Neppl
Pädagogin: Marta Díez Amate
Kulturagentin: Michaela Schlagenwerth
Fotos: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

Gefördert durch:

Lasst alle leben, wie sie sein wollen!

Speakers Corner am Robert-Blum-Gymnasium

Text von Emilia Schlosser

An einem sonnigen Januarmorgen darf ich das Projekt ‚Speakers corner‘ am Robert-Blum-Gymnasium besuchen. Unter der Leitung der Künstlerin Nina Behrendt haben zwei Schulklassen gemeinsam zu Themen gearbeitet, die ihnen am Herzen liegen. Klimawandel, Frauenrechte, Rassismus, Diskriminierung: Es sind große Themen und großartige Reden. Und da es in dem Projekt vor allem genau darum geht, zu reden und gehört zu werden, lasse ich am besten fünf Schülerinnen kurz erzählen, was sie in ihrem Projekt gemacht haben.

"Lasst alle leben, wie sie sein wollen!“ Speakers Corner am Robert Blum Gymnasium. Foto: FELD Theater für junges Publikum

WAS MACHT IHR IN EUREM PROJEKT?

Wir haben das Thema „Streitkulturen“ und jeder konnte sich Unterthemen aussuchen. Die haben wir zusammengetragen und Gruppen gemacht und in den Gruppen Theaterszenen oder auch Vorträge gehalten über Sachen, die wir zum Beispiel ungerecht finden.

Am Anfang wurde jeder gefragt, mit welchem Thema er/sie sich gerade beschäftigt, und dann kamen die Themen zustande. Dann haben sich alle zusammengefunden, die das gleiche Thema hatten.

Wir hatten z.B. Themen wie Toleranz oder Umweltkrise und ich fand es cool, einfach mal darüber zu sprechen.

Wir dürfen teilweise auch selbst entscheiden, wie wir es machen wollen. Wir müssen nicht immer das machen, was die Lehrer*innen wollen, wir können auch selber wie wir es wollen die Sachen machen.

WAS WÜRDET IHR SAGEN IST STREITKULTUR?

Für mich ist Streitkultur einfach Streit. Also es ist auch wichtig, sich zu streiten, weil man damit sehr viel aussagen kann.

Ich glaube Streitkultur steht auch dafür, dass es so viele Arten gibt, sich zu streiten.

Ich würde auch sagen, dass es viele Arten gibt, das auszudrücken, zu diskutieren und seine Meinung zu sagen.

Also ich finde es gibt verschiedene Arten von Streitkultur. Wenn man sich mit der Familie streitet oder sich mit seinen Freunden streitet.

Ich finde gut, dass es Streitkultur gibt, denn davon kann man sehr viel lernen. Es macht auch Spaß.

"Lasst alle leben, wie sie sein wollen!“ Speakers Corner am Robert Blum Gymnasium. Foto: FELD Theater für junges Publikum

WAS SOLL EUER PUBLIKUM AUS EUREM STÜCK MITNEHMEN?

Dass die Menschen über die Dinge, die wir gezeigt haben, ein bisschen nachdenken und sich Gedanken machen, was sie daran ändern können oder wie sie es besser machen können.

Dass die Leute bei z.B. Themen wie Rassismus auch darüber nachdenken und denken: vielleicht mache ich das ja auch selber und vielleicht sollte ich damit aufhören. Und das sie halt richtig darüber nachdenken, was sie machen.

Ich wünsche mir, dass die Leute sich das zu Herzen nehmen und darüber nachdenken und vielleicht auch etwas verändern. Denn Veränderung beginnt bei uns und wir müssen auch etwas an uns verändern.

Ich wünsche mir auch, dass die Leute erst mal zuhören. Es gibt sicher auch Leute, die sich mit dem was wir sagen, gut identifizieren können. Es gibt bestimmt viele Themen, die auf uns zutreffen. Z.B. die Sachen die wir einkaufen, Klimawandel und Klimaschutz. Und dass die Leute vielleicht nicht nur darüber nachdenken, sondern es auch umsetzen.

Vielen Dank an Livia, Schania, Lina, Selma und Ela für das Interview!

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Projektitel:  Speakers Room
Schulname, Berlin-Bezirk: Robert Blum Gymnasium, Tempelhof-SchönebergKlasse/Jahrgang: Kulturklassen 7a und 8b 
Künstler*in(en): Nina BehrendtKulturagent*in: Annika NiemannPädagogin*(en): Inke Kühl, Dr. Dorothea Ruthemeier
Foto: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

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Kontrolle auf den Toiletten!?

Ein Projekt der Reinhold-Burger Schule

Text von Emilia Schlosser

Ausgangspunktes des Projektes der Reinhold-Burger Schule war ein konkretes Problem an der Schule selbst: Schon seit einiger Zeit gab es ein massives Problem mit dreckigen und stinkenden Schultoiletten, welches sogar in der Presse besprochen wurde.

Ist der Zugang zu sauberen sanitären Einrichtungen ein Menschenrecht? fragten sich die Schüler*innen des Kurses. Nach einer Recherche zur aktuellen Situation aber auch weltweiten Geschichte des Themas folgte eine erste Aktion in der Schule. In Schutzkleidung stellten sich die Schüler*innen während der Unterrichtszeit vor den Toiletten auf, um alle Besucher*innen namentlich zu erfassen und zu kontrollieren, ob die Toiletten sauber hinterlassen wurden. Schon eine Woche später, gab es aufgrund mangelnder Reinigung schulfrei, worüber auch medial berichtet wurde. Während einer zweiten Aktion in der Weihnachtszeit, gab es dann Punsch, Weihnachtsplätzchen und Chorgesang auf/vor den Toiletten, um zu untersuchen, wie sich die Situation verändert, wenn sich die Schüler*innen auf den Toiletten wohl fühlten.

Kontrolle auf den Toiletten!? Ein Projekt an der Reinhold-Burger Schule in Berlin. Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Die Ausgangsthese lautet bis heute: Schultoiletten haben was mit Respekt und Miteinander zu tun. So, wie ich mich auf der Schultoiletten verhalte, zeige ich meinen Respekt meinen Mitmenschen gegenüber – oder auch nicht. Die Streitfrage dabei lautet: erreicht man dies über Kontrolle oder über eine angenehm gestaltete Toilette?“

Während dem gemeinsamen Streitkultur Kongress am FELD-Theater für junges Publikum fand eine weitere Aktion während des ganzen Tages statt. Die Schüler*innen konfrontierten die Besuchenden dieses Mal mit der Frage: Was würde mehr dabei helfen, die Toiletten sauber zu halten: eine schöne Gestaltung, in der sich alle wohl fühlen, oder eine stärkere Kontrolle? Anhand einer Punktegrafik wurde festgestellt: der überwiegende Anteil hielt eine ansprechende Gestaltung für eine bessere Lösung. Dies veränderte auch innerhalb des Projektes einige Meinungen. Während die Schüler*innen des Projektes zuvor eher der Meinung waren, Kontrollen wären wichtiger, so standen sie nach dem Tag der Idee der Gestaltung sehr viel positiver gegenüber. Schön gestaltete Räume zeigen, dass jemand sich um den Raum kümmert und es ihm oder ihr wichtig ist, dass dieser gut aussieht. Vielleicht verändert das auch das Verhalten derjenigen, die sich darin aufhalten.

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Projektleitung: Heidi Zengerle, Franz-Josef Becker
Lehrerin: Liane Matern
Fotos: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

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Einer wie keiner und alle wie eine.

Ein Aufführungsbesuch in der Nehring-Grundschule

Text von Emilia Schlosser

Was passiert mit dem Ich, wenn es Teil einer Gruppe ist? Ist es schön, so zu sein wie kein anderer? Verliert sich das Ich im Wir oder tut das Wir dem Ich gut? Ist es schön, so zu sein wie kein anderer? Möchten wir sein wie alle?Gibt es überhaupt einen Unterschied? Suchen wir eher das Aufgehen in einer Gemeinschaft? Was kann eine Gemeinschaft tragen? Wo sind meine persönlichen Grenzen in einer Gemeinschaft?

Mit diesen Fragen hat sich eine zweite Klasse der Nehring-Grundschule im Rahmen des Projekts Streit_kultur in den vergangenen Monaten beschäftigt. An einem bemerkenswert verregneten Dienstag komme ich in die Aula der Schule, um dort die erste Präsentation des Projektes für die Eltern zu sehen. Auf der Bühne stehen aufgereiht Stühle, sodass der gesamte Raum der Aula frei ist für die tanzenden Kinder. Doch bevor die Aufführung beginnt, werden erst mal alle gebeten, aufzustehen zu einem gemeinsamen Rhythmus Spiel. Danach werden Augenbinden an die 22 Schüler*innen der Klasse verteilt und die Eltern beginnen, die Kinder blind durch den Raum zu führen. Der Raum ist voll und wuselig und doch herrscht eine fröhliche, ruhige Stimmung. Um sich führen zu lassen braucht es viel Vertrauen und um zu führen Konzentration.

Einer wie keiner und alle wie eine_Ein Projekt an der Nehring-Grundschule in Berlin. Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Es ist ein verregneter Dienstag in einer Berliner Grundschule und ich darf beobachten, wie 19 Kinder auf der Bühne versuchen, sich und ihre gemeinsame Welt, neu zu gestalten.“

Schließlich verstummt die Musik und das Publikum setzt sich, damit das Tanzstück beginnen kann. Im folgenden lässt sich ein bewegtes Spiel aus Vereinzelung und Gemeinschaft erkennen. Die Kinder bilden Formationen, Linien, Knoten. Mal sind sie vereinzelt auf der Bühne, mal alle gemeinsam. Ein Mädchen kauert sich auf dem Boden zusammen, plötzlich gesellt sich die Ganze Gruppe zu ihr. Einen Moment später laufen sie auseinander, das Mädchen wieder allein. Ein Reihe bildet sich, aus der immer wieder einzelne, mal rennend, hüpfend oder wirbelnd ausbrechen. Die Stärke von einzelnen Körpern auf der Bühne wird ebenso sichtbar, wie die Schönheit der choreografierten Gruppe. Niemand ist einsam und doch sind alle irgendwie allein. Sie sind eine Gruppe, die sich nie ganz einigen kann auf eine Bewegung, die probt, versucht, ausbricht, wabert und tanzt.

Einer wie keiner und alle wie eine_Ein Projekt an der Nehring-Grundschule in Berlin. Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Wir möchten mit dem Projekt erreichen, dass die Kinder Selbstwirksamkeit erfahren, um sich SELBST und dem GEGENÜBER mit Empathie zu begegnen.“

An Boekman, Projektleiterin

Die Künstlerin und Leiterin des Projektes An Boekman sagt hierzu: „Wir möchten mit dem Projekt erreichen, dass die Kinder Selbstwirksamkeit erfahren, um sich SELBST und dem GEGENÜBER mit Empathie zu begegnen.“ und berührt damit eine der wesentlichen Fragen einer Beschäftigung mit dem Thema „Streitkultur“. Streiten kann man sich nicht alleine, für einen Streit braucht es mindestens ein Gegenüber. Streit ist der permanente Aushandlungsprozess der wichtigen Frage: Wie wollen wir miteinander umgehen? Wer bin ich und wer bist du? Und auch wenn das Ich und das Du manchmal nicht übereinstimmen, so bilden sie im Streit doch auch immer ein gemeinsames Wir.

Einer wie keiner und alle wie eine_Ein Projekt an der Nehring-Grundschule in Berlin. Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Ursprünglich wollten wir das Thema Streit stärker thematisieren. Aber als wir die Kinder baten, selber über ihr Stückthema zu sprechen, war der Aspekt des zur Harmonie führenden Gemeinschaftsgefühls und der Wunsch nach Aufgehobensein in ihrem Selbstverständnis viel wesentlicher.“

An Boekman, Projektleiterin

Auch wenn das Projekt „Streitkultur“ dazu auffordert, sich mit dem Streit auseinanderzusetzen, so bietet das künstlerische Arbeiten die Möglichkeit, andere Wege der Auseinandersetzung zu erproben. Wo Streit im Alltag vielleicht viel präsenter ist, kann er im Projekt gerade dadurch behandelt werden, dass stattdessen Harmonie getanzt wird. Es ist ein verregneter Dienstag in einer Berliner Grundschule und ich darf beobachten, wie 19 Kinder auf der Bühne versuchen, sich und ihre gemeinsame Welt, neu zu gestalten.

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Projekttitel: „Anders sein?!“
Nehring-Grundschule, Berlin, Charlottenburg-Wilmersdorf
Klasse/Jahrgang: 2. Jahrgang
Künstler*in(en): Choroegrafie: An Boekmann, Daybee Dee
Pädagogin*(en): Paul Mang, David Neuling und Nora TaumeyerKulturagent*in: Katharina Stahlhoven
Fotos: Antje Materna

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Mensch, ärgere dich nicht!

Ein Projekt der Kurt-Tucholsky-Oberschule

Gedicht von Clara-Josephine Drews

„Wir beide steh`n hier und schauen uns an.
Du dort drüben, ich dir gegenüber in einer Bahn.
Du willst mit mir ein Spiel beginnen,
und du bist sicher heiß drauf zu gewinnen.“

„Meine sind die Roten:“
„Ich nehme die Blauen:“
„Beginnst du?“
„Eins noch, Schummeln, das ist aber verboten!“

Und während der Würfel sich um alle Seiten dreht,
während der eine noch immer da so vor dem and`ren steht,
erwachen aus dem nichts,
Figuren mit Gesicht.

Und nach wenigen Schritten halt,
der erste Blaue hastig stehen bleibt,
voll Zuversicht und Willenskraft,
hat er sich schon jetzt einen weiten Vorsprung verschafft.

Mensch ärgere dich nicht! Kurt-Tucholsky_KTO_Foto: FELD Theater für jugnes Publikum

Grinsend zieht er die anderen auf.
„All euren Neid nehm` ich in Kauf,“
Und ihm folgt ohne Wort,
still und noch unbesorgt,
ein rotes Figürchen,
und zieht drei Felder vor sofort.

Die Stimmung weiter ausgeglichen,
Figur um Figur wird in das Spiel gewiesen,
und keiner denkt auch nur daran,
dass das mal böse enden kann.

„Wie kann es sein,
ich versteh es nicht,
dass du schon wieder am Gewinnen bist?
Und ich nicht!“

„Weil ich schon drei im Ziel nun habe,
und du nicht mal den einen,
was für eine Frage?“

Und auch unter den roten kleinen Männern
herrscht verständnisloses Aufseh`n,
denn niemand will sich daran erinnern,
gar eingesteh`n,
dass Blau nun einfach schneller war,

und stehe vermutlich bald als Gewinner da.

„Ich muss jetzt handeln.
Mir bleibt keine Wahl.
Ich muss gewinnen, ich verliere kein erneutes Mal.“

Foto: Lea Böhm on Unsplash
Foto: Lea Böhm on Unsplash

Und so steht dem blauen Hütchen viel zu nah,
ein rotes Hütchen, bald schon da.
um Feld für Feld rückt es nach vorn,
fängt an zu sprinten,
und liegt am Ende nur noch um zwei Felder hinten.

Denn wenn blau gewinnt,
und noch vorher in das sichere Ziel springt,
wird Rot ein weiteres Mal verlieren.
Und Blau sich wohl kaum zieren,
Rot als Verlierer zu schikanieren.

„Sieh dich nur um, bin noch immer hinter dir.
Ich werde dich zu zügeln wissen,
dich und deine Gier.“
Sagt der Rote mögliche Verlierer hier.
Voller Hoffnung und letzter Zuversicht,
die nun nur noch aus ihm spricht.

Unter den Blauen bricht Panik aus.
Denn alle andern stehen bereits sicher zusammen im selben Haus.
„Herr Gott!“
„Oh nein!“
„Das darf nicht sein!“

Und rufend aus gegnerischer Ecke:
„Du schaffst das, hol ihn endlich ein!“

„Ich würfle jetzt,
siehst du es auch?
Du musst die Runde wiederholen,
denn du musst zurück ins Haus.“

„Das ist Betrug. Ich hab`s geseh`n!
Statt einer zwei durftest du nur einen geh`n.“

Und die Spielfiguren toben,
die Blauen schimpfen,
die Roten loben.
Und der rote kleine Wicht,
der vermeintlich der Lügner ist,
drückt sich ohne weiteres Wort,
vor zum blauen,
und schiebt ihn in Richtung Hause fort.

„Du Betrüger!“
Ruft dieser, der geschoben
„Gönnst mir nichts. Es ärgerst dich,
dass du nie den Ruhm, zur Ehre hast gehoben?“

„In deiner Gier,
merktest du doch nichts,
und dann war ich schon hier.“
„Welche Gier?“
„Warst du dir doch so sicher?
Ich glaube dein Gewinn war dir von Anfang an schon wichtiger!“

„Und aus dir spricht Neid“,
schubst einer der Blauen den Roten zurück.
„Manchmal hat man eben kein Glück!“
Das Spielbrett bebt,
die Figuren springen,
werden sie das Spiel denn noch zu Ende bringen?

Mensch ärgere dich nicht! Kurt-Tucholsky_KTO_Foto: FELD Theater für jugnes Publikum

„Gut, wenn du dir deine Schuld nicht eingestehst,
dann kann das Spiel nicht mehr so weiter geh`n!“

Voller Wut entflammt die Missgunst erneut,
so legt der eine ohne Mitleid,
sicherlich nicht wissend um den eigenen Neid,
keineswegs, dass er es bereut,
seine Hände auf das Brett.

Und ohne weiteres Wort,
welches auf keinen Fall von Nöten ist,
denn zwischen ihnen bleibt ohnehin der Zwist,
kehrt er die Fläche,
und alle Figuren fliegen fort.

Und die Moral von der Geschicht?

Jeden Tag bleiben wir mal einen Schritt zurück,
oder zwei Schritte vor einem steh`n,
jeden Tag verlässt uns mal das Glück,
aber niemand kann uns unseren Willen neh`m,

der Gewinn ist nicht das gewonnene Spiel,
und Mogeln keine Garantie,
wir leben doch zwischen Start und Ziel,
und ein Streit ist nur die Anregung für das: wie?

Wie kann ich dir helfen?
Wie können wir unseren Streit abgelten?
Wie sonst?
Wie kann es sein,
dass du das alles immer gleich so gut hinbekommst?
Und was ist eigentlich wessen Schuld?
Lass uns einfach menschlich sein,
Lassen wir uns üben in Geduld,
denn so steht niemand mehr für sich allein.

Gier ist nur ein synonym für Egoismus,
Und Eifersucht fast immer präsent,
und weil wir sie nicht seh`n,
nicht sehen wollen,
ist`s schwer, sich diese Dinge einzugesteh`n.

Und sollten wir uns doch mal streiten,
wegen banalster Kleinigkeiten,
lass uns später drüber lachen,
lasst uns später drum bemühen
es nächstes Mal anders zumachen,
Streit ist nichts an dem eine Freundschaft zerbricht,
wichtig ist, dass man darüber spricht,
drum lass dir sagen:

Mensch, ärgere dich nicht!

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Projekttitel: „Mensch, ärgere weder dich noch andere – mach auf statt dicht“
Schulname: Kurt-Tucholsky-Oberschule, Berlin-Pankow
Klasse/Jahrgang: 12. Klasse; Zusatzkurs „Demokratie lernen und leben“
Namen der beteiligten Schülerinnen: Amelie, Angelina, Angelique, Cäthe, Clara, Elisa, Ellain, Elsa, Kira, Lilli, Leonarda, Luisa, Maren, Marie, Michelle und Sarah
Künstler: Felix Römer
Kulturagentin: Karin Schreibeis
Pädagoginnen: Felicia Thomaszewsky, Nora Kowitz
Fotos: Antje Materna

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