Felix Marchand

Eine Ente betritt einen Supermarkt, ein Clown betritt eine Bar, ein Astronaut betritt eine Bank, ein Stand-up-Comedian betritt ein Tanztheater. Er ist verwirrt, er ist irgendwie falsch am Platz. Er ist verloren. Er will fliehen. Der Stand-up-Comedian kann seiner eigene Premiere nicht entfliehen, er ist gefangen. Es ist ein Albtraum. Das Publikum sitzt ruhig da und starrt ihn an. Niemand hat ihn vorgestellt. Der Raum ist zu groß und der Boden zu schwarz. Sein Anzug fühlt sich zu eng an. Wo sind nur seine Trainingsklamotten? Sein Körper verzaubert sic, seine Bewegungen werden zu Witzen und die Gegenstände um ihm herum zu seinem Spielzeug.

Felix Marchand / LUPITA PULPO ist Choreograf und Tänzer. Er arbeitet und lebt in Berlin seit 2003. In den letzten Jahren hat er sich mehr und mehr dem Kinder und Jugendtheater zugewandt. Es entstanden die Performances: BILLY und Alles kaputt, oder?

www.lupitapulpo.org

Lasst alle leben, wie sie sein wollen!

Speakers Corner am Robert-Blum-Gymnasium

Text von Emilia Schlosser

An einem sonnigen Januarmorgen darf ich das Projekt ‚Speakers corner‘ am Robert-Blum-Gymnasium besuchen. Unter der Leitung der Künstlerin Nina Behrendt haben zwei Schulklassen gemeinsam zu Themen gearbeitet, die ihnen am Herzen liegen. Klimawandel, Frauenrechte, Rassismus, Diskriminierung: Es sind große Themen und großartige Reden. Und da es in dem Projekt vor allem genau darum geht, zu reden und gehört zu werden, lasse ich am besten fünf Schülerinnen kurz erzählen, was sie in ihrem Projekt gemacht haben.

"Lasst alle leben, wie sie sein wollen!“ Speakers Corner am Robert Blum Gymnasium. Foto: FELD Theater für junges Publikum

WAS MACHT IHR IN EUREM PROJEKT?

Wir haben das Thema „Streitkulturen“ und jeder konnte sich Unterthemen aussuchen. Die haben wir zusammengetragen und Gruppen gemacht und in den Gruppen Theaterszenen oder auch Vorträge gehalten über Sachen, die wir zum Beispiel ungerecht finden.

Am Anfang wurde jeder gefragt, mit welchem Thema er/sie sich gerade beschäftigt, und dann kamen die Themen zustande. Dann haben sich alle zusammengefunden, die das gleiche Thema hatten.

Wir hatten z.B. Themen wie Toleranz oder Umweltkrise und ich fand es cool, einfach mal darüber zu sprechen.

Wir dürfen teilweise auch selbst entscheiden, wie wir es machen wollen. Wir müssen nicht immer das machen, was die Lehrer*innen wollen, wir können auch selber wie wir es wollen die Sachen machen.

WAS WÜRDET IHR SAGEN IST STREITKULTUR?

Für mich ist Streitkultur einfach Streit. Also es ist auch wichtig, sich zu streiten, weil man damit sehr viel aussagen kann.

Ich glaube Streitkultur steht auch dafür, dass es so viele Arten gibt, sich zu streiten.

Ich würde auch sagen, dass es viele Arten gibt, das auszudrücken, zu diskutieren und seine Meinung zu sagen.

Also ich finde es gibt verschiedene Arten von Streitkultur. Wenn man sich mit der Familie streitet oder sich mit seinen Freunden streitet.

Ich finde gut, dass es Streitkultur gibt, denn davon kann man sehr viel lernen. Es macht auch Spaß.

"Lasst alle leben, wie sie sein wollen!“ Speakers Corner am Robert Blum Gymnasium. Foto: FELD Theater für junges Publikum

WAS SOLL EUER PUBLIKUM AUS EUREM STÜCK MITNEHMEN?

Dass die Menschen über die Dinge, die wir gezeigt haben, ein bisschen nachdenken und sich Gedanken machen, was sie daran ändern können oder wie sie es besser machen können.

Dass die Leute bei z.B. Themen wie Rassismus auch darüber nachdenken und denken: vielleicht mache ich das ja auch selber und vielleicht sollte ich damit aufhören. Und das sie halt richtig darüber nachdenken, was sie machen.

Ich wünsche mir, dass die Leute sich das zu Herzen nehmen und darüber nachdenken und vielleicht auch etwas verändern. Denn Veränderung beginnt bei uns und wir müssen auch etwas an uns verändern.

Ich wünsche mir auch, dass die Leute erst mal zuhören. Es gibt sicher auch Leute, die sich mit dem was wir sagen, gut identifizieren können. Es gibt bestimmt viele Themen, die auf uns zutreffen. Z.B. die Sachen die wir einkaufen, Klimawandel und Klimaschutz. Und dass die Leute vielleicht nicht nur darüber nachdenken, sondern es auch umsetzen.

Vielen Dank an Livia, Schania, Lina, Selma und Ela für das Interview!

Zurück zur STREIT_KULTUR_SEITE

Projektitel:  Speakers Room
Schulname, Berlin-Bezirk: Robert Blum Gymnasium, Tempelhof-SchönebergKlasse/Jahrgang: Kulturklassen 7a und 8b 
Künstler*in(en): Nina BehrendtKulturagent*in: Annika NiemannPädagogin*(en): Inke Kühl, Dr. Dorothea Ruthemeier
Foto: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

Gefördert durch:

Endlich dürfen wir wütend sein

Ein Projekt der Rosa-Parks-Grundschule, Berlin-Kreuzberg

Text von Michaela Schlagenwerth

Was mache ich, wenn ich wütend bin? Oft beschimpfe ich dann jemanden, bin gemein, ungerecht. In dem Tanzprojekt „Wo kommen die Worte her?“ sind 23 Schüler*innen der Kreuzberger Rosa-Parks-Grundschule unter der künstlerischen Leitung der Choreografinnen Jo Parkes und Viviana Defazio dem Gefühl der Wut nachgegangen. Den Formen, die sie annehmen kann und den Wirkungen, die sie auf einen selbst und auf andere hat.

Wo kommen die Wörter her? Rosa-Parks-Grundschule, Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Das Projekt ist so toll, weil wir hier mal richtig wütend sein dürfen.“

Schüler*innen der Rosa-Parks-Grundschule

Ausgangspunkt waren rassistische Vorfälle in der Schule, und so hat auch das Projekt begonnen: mit Schimpfwörtern. Welche kennen wir und welche haben wir in unserem Leben schon öfter selbst benutzt? In dem Stück, das am Ende enstanden ist, schreiben alle diese Worte mit pastellfarbener Kreide auf große Papierfahnen, die später gut sichtbar an der Wand hängen. Fiese Sachen stehen da. Stumm, aber mit großer Kraft brüllen die 23 jungen Performer*innen die Worte dem Publikum entgegen. Danach erzählen sie von Situationen in denen sie sich gestritten haben, in der Schule, Zuhause mit den Geschwistern, auf der Straße, in den Ferien. Wer hat angefangen? Wie habe ich reagiert? „Wir haben uns geprügelt“, sagt einer. „Ich war im Stich gelassen“, jemand anderes. Wut, das wird in diesen Geschichten deutlich, ist eine zerstörerische Kraft. Gleichzeitig sagen die Schüler*innen während der Projektarbeit: „Das Projekt ist so toll, weil wir hier mal richtig wütend sein dürfen.“

Wo kommen die Worte her? Rosa-Parks-Grundschule, Foto: FELD Theater für junges Publikum

Nur wenn wir uns der Wut überlassen, davon erzählt das Stück, dann geht es nicht gut aus.

Weil Wut da ist. Weil wir uns oft über andere ärgern, verletzt sind. Weil Wut nicht nur etwas Schlechtes, sondern auch eine Kraft ist, die uns zeigt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Nur wenn wir uns der Wut überlassen, davon erzählt das Stück, dann geht es nicht gut aus. Nicht für uns selbst und nicht für die anderen. Dann nimmt es böse Formen an. Etwa wenn die Schüler*innen in dem Stück als Gruppe eine Einzelne auszugrenzen beginnen. Als eine wogende Massen schieben sie sich dicht gedrängt über die Bühne um ein einzelnes Mädchen, das Anschluss sucht, zu meiden. Etwas Merkwürdiges geschieht dabei.

Wo kommen die Wörter her? Rosa-Parks-Grundschule, Foto: FELD Theater für junges Publikum

All die Schimpfwörter und die Weise, wie wir damit unsere Gefühle ausdrücken sind keine gute Lösung für den Zorn, den wir manchmal in unserem Bauch haben.

Vom Aggressor wird die Gruppe zu Gejagten, immer hektischer ergreifen sie vor dem vereinzelten Mädchen, dass ihre Nähe sucht, die Flucht. Aber schließlich halten das nicht mehr alle durch. Köpfe sinken in Hände, Einzelne werden von Anderen geführt und gestützt. Trost ist so möglich, Mitgefühl und gegenseitige Hilfe. Ganz am Ende wenden sich noch einmal alle den beiden langen Papierfahnen mit den Schimpfwörtern zu, die sie am Anfang aufgeschrieben und dann an die Wand gehängt haben. Fein säuberlich trennen alle aus einem ihrer Worte einen Buchstaben heraus, knüllen das Papierstück zusammen und werfen es auf den Boden. Tschüss, Wut. All diese Wörter und die Weise, wie wir damit unsere Gefühle ausdrücken sind keine gute Lösung für den Zorn, den wir manchmal in unserem Bauch haben.

Zurück zur STREIT_KULTUR_SEITE

Projekttitel: „Wo kommen die Worte her?“
Schule: Rosa-Parks-Schule, Berlin-Kreuzberg
Klasse / Jg.: 6 b
Künstlerinnen: Jo Parkes, Viviana Defazio
Pädagogin: Arduba Asllani
Kulturagentin: Michaela Schlagenwerth
Fotos: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms
Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

Gefördert durch:

KIPPPUNKTE der Podcast

Kipppunkte? Was ist das überhaupt? Und wo kippt es?Im ersten Podcast des FELD-Theaters für junges Publikum machen wir uns auf die Suche nach den kippenden, den wankenden, den stürzenden Momenten. Wir wollen herausfinden, was das kippen für verschiedene Menschen bedeutet und wohin es führen kann. Der Podcast ist eine hörbare Suche nach Stimmen und Klängen die uns helfen, die Punkte, an denen es kippt besser zu verstehen.

Emilia Schlosser studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Stockholm. Sie ist künstlerische Ko-Leiterin und Produktionsleiterin der Veranstaltungsreihe KIPPPUNKTE am FELD.


FOLGE 2 – Was heißt hier Kippunkt?

In der zweiten Folge des KIPPPUNKTE-Podcasts geht es weiter mit der Suche nach einer Antwort auf die einfache oder schwere Frage: Kipppunkt – was ist das überhaupt? Hierbei kommen in dieser Folge mal Kinder bzw Jugendliche zu Wort. Kajsa, Max und Jasper haben alle unterschiedliche Ideen davon, was Kipppunkte sind und wie sie klingen. Zudem gibt Kajsa Einblick in ihre Erfahrungen aus den Proben zu DEATH IS CERTAIN, einer Solo-Performance, in welcher sie im  am FELD-Theater auftreten wird. Wir unterhalten uns über das Stück und darüber, wo es da vielleicht auch ein wenig kippt.

Moderation und Konzept: Emilia Schlosser
Gäste : Max, Jasper, Kajsa
Postproduktion und Schnitt: Lina Gasenzer
Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa im Rahmen von KIPPPUNKTE
Dank an die Jugendkunstschule FRI-X BERG

FOLGE 1 – Vom kippen und hoffen

In der ersten Folge Vom kippen und hoffen sprechen wir mit Gabi dan Droste, der künstlerischen Leitung des FELD-Theaters darüber, wie es überhaupt zu KIPPPUNKTE kam und was am FELD gerade so kippt um danach einen ausgiebigen Spaziergang mit der community-dance Künstlerin Jo Parkes zu machen, in dem es um die Proben zu einem neuen Stück am FELD geht. Das Stück soll vom hoffen und spazieren gehen handeln. Was bedeutet Hoffnung in Zeiten der Kipppunkte und wie können wir sie für uns nutzen?

Moderation und Konzept: Emilia Schlosser
Gäste: Stefan Neumann, Gabi dan Droste, Joanne Parkes
Postproduktion: Lina Gasenzer

Künstlerinnen
Gabi dan Droste: http://www.gabidandroste.de/
Jo Parkes: https://www.joparkes.com/
https://www.mobile-dance.com

Fotocredits
Titelbild: Antje Materna
Portrait: Judith Greitemann

Zitate
Rebecca Solnit, Wanderlust: A History of Walking
Eva Illouz, Trauer und Hoffnung in: Israel

Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa
Dank an die Jugendkunstschule FRI-X BERG

Kontrolle auf den Toiletten!?

Ein Projekt der Reinhold-Burger Schule

Text von Emilia Schlosser

Ausgangspunktes des Projektes der Reinhold-Burger Schule war ein konkretes Problem an der Schule selbst: Schon seit einiger Zeit gab es ein massives Problem mit dreckigen und stinkenden Schultoiletten, welches sogar in der Presse besprochen wurde.

Ist der Zugang zu sauberen sanitären Einrichtungen ein Menschenrecht? fragten sich die Schüler*innen des Kurses. Nach einer Recherche zur aktuellen Situation aber auch weltweiten Geschichte des Themas folgte eine erste Aktion in der Schule. In Schutzkleidung stellten sich die Schüler*innen während der Unterrichtszeit vor den Toiletten auf, um alle Besucher*innen namentlich zu erfassen und zu kontrollieren, ob die Toiletten sauber hinterlassen wurden. Schon eine Woche später, gab es aufgrund mangelnder Reinigung schulfrei, worüber auch medial berichtet wurde. Während einer zweiten Aktion in der Weihnachtszeit, gab es dann Punsch, Weihnachtsplätzchen und Chorgesang auf/vor den Toiletten, um zu untersuchen, wie sich die Situation verändert, wenn sich die Schüler*innen auf den Toiletten wohl fühlten.

Kontrolle auf den Toiletten!? Ein Projekt an der Reinhold-Burger Schule in Berlin. Foto: FELD Theater für junges Publikum

„Die Ausgangsthese lautet bis heute: Schultoiletten haben was mit Respekt und Miteinander zu tun. So, wie ich mich auf der Schultoiletten verhalte, zeige ich meinen Respekt meinen Mitmenschen gegenüber – oder auch nicht. Die Streitfrage dabei lautet: erreicht man dies über Kontrolle oder über eine angenehm gestaltete Toilette?“

Während dem gemeinsamen Streitkultur Kongress am FELD-Theater für junges Publikum fand eine weitere Aktion während des ganzen Tages statt. Die Schüler*innen konfrontierten die Besuchenden dieses Mal mit der Frage: Was würde mehr dabei helfen, die Toiletten sauber zu halten: eine schöne Gestaltung, in der sich alle wohl fühlen, oder eine stärkere Kontrolle? Anhand einer Punktegrafik wurde festgestellt: der überwiegende Anteil hielt eine ansprechende Gestaltung für eine bessere Lösung. Dies veränderte auch innerhalb des Projektes einige Meinungen. Während die Schüler*innen des Projektes zuvor eher der Meinung waren, Kontrollen wären wichtiger, so standen sie nach dem Tag der Idee der Gestaltung sehr viel positiver gegenüber. Schön gestaltete Räume zeigen, dass jemand sich um den Raum kümmert und es ihm oder ihr wichtig ist, dass dieser gut aussieht. Vielleicht verändert das auch das Verhalten derjenigen, die sich darin aufhalten.

Zurück zur STREIT_KULTUR_SEITE

Projektleitung: Heidi Zengerle, Franz-Josef Becker
Lehrerin: Liane Matern
Fotos: Antje Materna

STREIT_KULTUR ist ein Kooperationsprojekt des Programms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin und dem FELD Theater für junges Publikum.

Gefördert durch:

Wie kann ich stehen…?

Radiotheater

„Wie kann ich stehen in einer Welt, die kippt? Fragen an eine Generation, die vor 30 Jahren jung war.“

*** Ab 12 Jahren ***

»Was ist denn mit den Leuten los? Was passiert da gerade, wenn im Fernsehen so viele Menschen gezeigt werden, die demonstrieren und die sich versammeln überall? Was wollen die überhaupt und warum sind die alle so aufgeregt? Es herrscht ein bisschen chaotische Stimmung.«

30 Jahre nach dem Fall der Mauer richtete das Theater o. N. zusammen mit 17 Schüler*innen der Thalia-Grundschule aus Berlin-Friedrichshain in einem forschend-dokumentarischen Theaterprojekt den Blick auf die, die in der damaligen Umbruchsituation 11 bis 15 Jahre alt waren. Aus der Recherche, was die »Erfahrungswucht« im Jahr 1989 mit ihnen und ihrer Suche nach Identität gemacht hatte, entstand eine Inszenierung, die am 7. März 2020 im Theater unterm Dach Berlin uraufgeführt worden wäre. Zwei Tage vor der Premiere mussten die ausverkauften Vorstellungen aufgrund der Covid 19 – Maßnahmen abgesagt werden.

Eine wiederkehrende Frage während des Produktionsprozesses war, wie wir den heute 12jährigen die damals nur sehr vage und subtil wahrgenommene Atmosphäre der gesellschaftlichen Veränderung vergleichbar machen können. Wie fühlt sich das an, wenn sich die Stimmung verändert, wenn etwas kippt? Woran orientiere ich mich, was hindert mein Fallen?

Nun, im Juni 2020, sind wir um einige Erfahrungen reicher. Erfahrungen, die die heute 12jährigen mit ähnlichen Fragen auf ihre Eltern blicken lassen: Was werden sie tun? Wie werden sie sich verhalten? Verändert sich unser Leben? Und wer oder was kann uns Sicherheit geben in dieser wankenden Welt? Das Radiotheater ist unsere auditive Bühne, unser Fenster zur Welt, in die wir unsere Inszenierung nun endlich setzen möchten. Es ist unser Ausweg aus der mit Corona verbundenen Krise der Kunst und Kunstschaffenden. Es ist eine Aufnahme, entstanden im Juni 2020, mehr als 30 Jahre nach dem Fall der Mauer in einer Zeit, die ebenso eine Zäsur markiert und historisch nachhallen wird.

Sprecherinnen und Sprecher:
Greta Burke, Charlotte Ortgies, Noah Dornbusch, Paul Chalupecky, Finn Röblitz, Elias Domrös, Doreen Kutzke, Steffen Petzold, Heike Krowoza

Sowie die Interviewpartnerinnen und Interviewpartner aus den Original- Interviews

Regie: Cindy Ehrlichmann und Iduna Hegen
Dramaturgie: Dagmar Domrös
Arrangements & Musikalische Bearbeitung: Steffen Petzold, Doreen Kutzke
Aufnahme, Mix und Mastering: Janne Lounatvuori
Ausstattung der Originalproduktion und der Schaufenster: Gwendolyn Noltes
Produktionsleitung: Katharina Bischoff
Pädagogische Begleitung: Heike Krowoza, Beatrice Elsner

Eine Produktion des Theater O.N. mit freundlicher Unterstützung des Theater unterm Dach. Gefördert von: Fonds Soziokultur, Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Tusch Berlin, Projekt „Aufbruch 1989 – Erinnern 2019“, FELD Theater für junges Publikum, Thalia Grundschule Berlin.

Unser Dank gilt allen Menschen die an der Inszenierung beteiligt waren.

Tuki im FELD

„Wir sind durch diesen Karton gegangen. Wir waren Ameisen. Der Tunnel und wir haben immer um den Kreis gegangen. Und da mussten wir über das Glas gehen. Grau, viereckig, das ist nicht kaputt, da muss man dem Körper rüberklettern. Mit dem Oberschenkel darüberklettern und dann mussten wir durch den Kreis durchkrabbeln und durch den Tunnel gehen. Ein Karton – braun – da muss man noch über das Blonde gehen.“  – Amira (4Jahre)

Mit TUKI – Theater und Kindergarten agiert FELD in der Kita Reuterstraße in Neukölln im Sinne des Forschenden Tanz-Theaters.

Unser Thema: Schlupf-Löcher!

Das interdisziplinäre Projekt bewegte sich an der Schnittstelle von Bildender und Darstellender Kunst. Kinder erforschten und erschlossen sich Eigenschaften, Beschaffenheiten und Funktionen von Objekten und Materialien, zu denen ein Bezug zu Öffnungen und Löchern hergestellt werden konnte. Sie übertragen ihre Eindrücke und Erkenntnisse auf ihren Körper und drücken sich durch Bewegung und Tanz aus. Improvisationsaufgaben und Tanz-Spiele stärken ihr Körperbewusstsein und Selbstvertrauen.

Wie geht das?


Im Januar 2020 sahen die TUKI-Kinder der Kita Reuterstraße im FELD Theater das Theaterstück „Schlupf – Eine Entdeckungsreise“. Es ist ein philosophisches Theaterstück, ein spielerisches Forschungslabor für die Allerkleinsten. Es geht um eines der seltsamsten Dinge der Welt: Löcher. Überall tauchen sie auf. Aber was genau ist so ein Loch eigentlich– und was verbirgt sich dahinter?

Wir griffen zunächst Inhalte, Requisiten und Bühnenbilder auf und probierten darauf Bezug nehmend Bewegungs- und Tanzelemente aus. Doch hier blieben wir nicht stehen: wir erforschten noch ganz andere Loch-Objekte und Materialien, die wir mit unserem Körper in unterschiedliche tänzerische Formen, Dynamiken, Raumebenen und Stimmungen umwandelten. Die Kinder tauchten in Gefühlswelten ein: Wie ist es, in ein Loch zu steigen und nicht zu wissen, was auf der anderen Seite ist? Gibt es lustige und traurige, nützliche und unnütze Löcher? Unsichtbare und nicht erreichbare?


Ein Reifen hat ein Loch, durch das wir hindurchsteigen können. Denn auf der anderen Seite ist Luft. Legt man den Reifen auf die Erde, hat das Loch einen festen Untergrund. Wir können in den Reifen hineinsteigen. Ein Loch kann sich verändern!

Viele Reifen aneinandergelegt ergeben einen Weg. Doch er ist nicht lang genug! Wie gut, dass wir jetzt schon wissen: Löcher sind flexibel! Wir finden eine Möglichkeit, den Weg zu verlängern. Nun ratet: Wie geht das?


Überraschungsbeutel. Was ist drin?

Wir greifen in den Überraschungsbeutel hinein – natürlich durch ein Loch – und finden: Murmeln, Bälle und Sand und einen langen, durchsichtigen Schlauch. Was hat das mit Löchern zu tun? Wir probieren aus: die Bälle sind zu groß für das Eingangsloch des Schlauches. Murmeln und Sand passen rein. Wir hören unterschiedliche Geräusche, wenn sie den Schlauch durchlaufen. Auf der anderen Seite kommen sie durch ein Loch wieder heraus.

Im Originalkostüm und mit Requisiten aus dem Theaterstück besuchte die Schauspielerin Almut Wedekind die Nachbereitungsstunde. Einige Szenen wiederholte sie – und die Kinder spielten mit!


Durchkommen!

Mit Körperkraft oder verschiedenen Materialien wie Schere, Handbohrer, Holzstäbchen oder Zange schlugen, schnitten, bohrten und knipsten wir Löcher, durch die wir hindurch- kriechen konnten.

Durchhalten!

Während der Corona-Zeit haben wir per Post mit den Kindern Kontakt gehalten. Hier geht´s zu unserem Brief an die Kinder, der sich natürlich auch mit Löchern beschäftigt.


TUKI – Theater & Kita Partnerschaften in Berlin (Logo)

TUKI setzt sich seit 2011 dafür ein, frühkindliche kulturelle und ästhetische Bildung in Berliner Kitas nachhaltig zu stärken. Künstler*innen, Theater- und Tanzpädagog*innen arbeiten regelmäßig vor Ort in der Kita mit festen Gruppen, jeweils 2 pädagogische Fachkräfte werden in die Arbeit mit einbezogen. Es gibt in Berlin 14 Partnerschaften, sogenannte Tandems, die 3 Jahre lang zusammenarbeiten.

FELD arbeitet seit September 2019 regelmäßig im Tandem mit 4 Erzieher*innen in der Kita Reuterstraße in Neukölln.


Erzieher*innen
Michaela Damnitz
Steffi Bekurz
Marcus Mahling
Gabi Mross
Beate Mutschler

Tanzpädagog*innen
Gabriel Galindez Cruz
Jutta Polić
Zoe Weber

Leitungsteam
TUKI – Isabell Feifel, Ann-Marleen Stöckert
Kita Reuterstraße – Sabrina Kluge
FELD – Gabi dan Droste

Newsletter zur FELDbeobachtung


Alle Newsletter anzeigen